Link verschicken   Drucken
 

Zirkulierende Tumorzellen - Stellungnahme des Tumorzentrums Oberfranken

Bayreuth

Stellungnahme des Vorstandes des Tumorzentrums Oberfranken e.V. zum Nachweis zirkulierender Tumorzellen im Blut von Krebspatienten:

 

In unserer Geschäftsstelle erreichen uns in der letzten Zeit gehäuft Anfragen von Patienten und Ärzten bezüglich des Nachweises zirkulierender Tumorzellen im Blut von Krebspatienten. Aus diesem Grund haben wir am 05.07.2012 am Klinikum Bayreuth eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema durchgeführt. In Ergänzung möchten wir als Vorstand des Tumorzentrums Oberfranken e.V. zu diesem Thema folgende Stellungnahme abgeben:

Bei dem Nachweis zirkulierender Tumorzellen handelt es sich um eine vielversprechende Technik, die zunehmend Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen ist. Dabei ist die prognostische Bedeutung von zirkulierenden Tumorzellen bei bestimmten Krebserkrankungen und in gewissen Situationen inzwischen relativ gut belegt.

Der Nachweis zirkulierender Tumorzellen im Blut eines Krebspatienten bedeutet allerdings nicht, dass dieser Patient automatisch eine schlechte Prognose haben wird. Darüber hinaus gibt es bislang keinen Hinweis dafür, dass die Änderung einer therapeutischen Strategie auf der Basis des Nachweises zirkulierender Tumorzellen im Blut die Prognose dieser Patienten günstig beeinflussen kann (z.B. die Durchführung, Nicht-Durchführung oder Änderung einer Chemotherapie). Diese wichtigen Fragen sind derzeit Gegenstand klinischer Studien.

Die Untersuchung auf zirkulierende Tumorzellen im Blut von Krebspatienten als Routinemethode im klinischen Alltag kann aus diesen Gründen zum jetzigen Zeitpunkt von unserer Seite nicht empfohlen werden. Solange durch diese Untersuchungsmethode keine therapeutische Konsequenz abgeleitet werden kann, wird diese lediglich zu einer Verunsicherung der betroffenen Patientinnen und Patienten sowie der betreuenden Ärzte führen. Der Einschluss von Patienten in laufende Studien, die diese wichtige Frage prospektiv untersuchen, wird von unserer Seite hingegen ausdrücklich unterstützt. Die Ergebnisse dieser Studien in Hinblick auf eine mögliche therapeutische Konsequenz des Tumorzellnachweises im Blut sollten für das zukünftige Vorgehen selbstverständlich Beachtung finden. Beachten Sie hierzu bitte auch eine Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologie vom Februar 2011.

www.ago-online.de/fileadmin/downloads/nachrichten/mamma_zirk_tumor_blut_pat.pdf

 

Ebenfalls wiederholt angefragt werden wir bezüglich der Frage, ob vor Durchführung einer Krebsbehandlung eine individuelle „Chemosensitivitätstestung“ an patienteneigenen, isolierten Tumorzellen sinnvoll ist. Hierzu möchten wir auf eine Empfehlung der Amerikanischen Krebsgesellschaft vom Juli 2011 verweisen. Hier wird betont, dass die Auswahl einer Chemotherapie sich primär nicht an diesen Tests orientieren sollte. Die Durchführung von Chemosensitivitätstestungen „im Reagenzglas“ wird somit ausserhalb von klinischen Studien derzeit nicht empfohlen.

http://jco.ascopubs.org/content/early/2011/07/18/JCO.2011.36.0354.full.pdf+html

 
 
Veranstaltungen